Im Juni stand eine zweitätige Exkursion nach Wien auf
unserem Programm. Für einige von uns war es die erste Gelegenheit, die Stadt zu
erkunden und die haben wir auch ausgiebig genutzt: Museumsquartier,
Brunnenmarkt, Theaterbesuch, Haus des Meeres, Essen in einem Halal-Restaurant,
Besuch in einer Moschee…. Kaum zu glauben, dass wir das alles in nur zwei Tagen
gesehen haben.
Wir hatten unsere eigene Stadtführerin, nämlich Renate von unserer
Projektpartnerin Trafo.K. Sie hat uns ihren Beruf der Kunstvermittlerin näher
gebracht. Das war total neu für uns.
Wien ist für uns gar nicht so stark als Hauptstadt präsent. Aber
die Stadt ist spürbar anders als Graz. Wir haben FreundInnen und Bekannte dort.
Wien ist cool. Graz ist im Verhältnis eine sehr kleine Stadt, Du kennst viele
Leute. Wien ist viel stärker multikulti. Es kommt aber auch stark darauf an, in
welchem Viertel Du Dich bewegst.
Uns hat beeindruckt, wie gut der öffentliche Verkehr
organisiert ist. Egal zu welcher Tageszeit, auch am Wochenende, gibt es viel
mehr Möglichkeiten, sich schnell fortzubewegen.
D: Einige Gegenden haben mich stark an Sarajewo erinnert. Es
gibt in Wien immer was zu erleben. Die Stadt lebt. Obwohl Wien anders ist als
Graz, gewöhnt man sich schnell an die Stadt.
L: Es wäre für mich durchaus vorstellbar in Wien zu leben.
Wien ist freier, Du hast so viele Möglichkeiten, auch für Jobs. Wien ist
vielfältiger als Graz. Ich finde, in Wien gibt es einen anderen Lebensstil.
D: Sicher gibt es auch in Wien Diskriminierung, aber gerade
mit Kopftuch würde ich mich in Wien wohler fühlen. Obwohl, auch in Wien hat uns
jemand im vorbeigehen komisch angesprochen. Er hat gesagt: „Ich seh’ nur
Geister“ und hat das offensichtlich auf unsere Kleidung bezogen.
Von unseren FreundInnen in Wien wissen wir, dass die
öffentliche Diskussion an einem anderen Punkt steht. Das Kopftuch hat größere
Akzeptanz als religiöse Bedeckung. Hier in Graz wird noch immer die Meinung
vertreten, eine Frau, die Kopftuch trägt, wird sicher dazu gezwungen oder „wer
weiß was unter dem Kopftuch ist, vielleicht eine Bombe“.